Plötzlich alles anders: Von der Lungenembolie durch Thrombose
Es gibt Geschichten, die nicht einfach so erzählt werden. Dieser Beitrag gehört dazu, denn es geht um meine Lungenembolie durch Thrombose und wie sie mein Leben komplett verändert hat. Ich möchte dich mitnehmen durch einen Abschnitt meines Lebens, der alles auf den Kopf gestellt hat.
Inhalt

Kleiner Prolog
Ein paar mal habe ich hin und her überlegt, ob ich diesen Beitrag schreiben soll. Nicht, weil ich mich schäme – sondern weil es Mut braucht, einen Blick ins Innere zuzulassen. Weil es bedeutet, sich verletzlich zu zeigen. Aber weißt du was? Das ist bullshit. Ist es wirklich eine Schwäche über die eigenen Erfahrungen zu sprechen? Sicherlich nicht. Jeder von uns hat eine Geschichte. Und es ist nicht nur okay, darüber zu reden, es ist wichtig.
Wer meinen Blog schon länger liest, erinnert sich vielleicht an meinem Jahresrückblick 2023: Programmier dich neu davon gelesen. Darin habe ich meine noch recht frische Diagnose zum ersten mal niedergeschrieben und einen kleinen Einblick in das Danach gegeben. Und auf Instagram teile ich in meiner Kooperation mit medi regelmäßig Einblicke in meinen Alltag mit Kompression. Kleiner Side Fact: Die schönen Bilder, die du in diesem Beitrag siehst, sind im Zuge meiner Kooperation mit medi entstanden.
Heute möchte ich tiefer gehen. Denn: Ich hatte eine Lungenembolie durch Thormbose. Und ich lebe seitdem mit dem postthrombotischen Syndrom. Beides sieht man mir nicht an, aber es prägt, fordert heraus und verändert.
Ich schreibe diesen Beitrag nicht nur für mich, sondern auch für alle, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Weil sichtbare und unsichtbare Gesundheitsthemen mehr Aufmerksamkeit verdienen. Weil Offenheit verbindet und uns genau dadurch weiterbringen kann.

Röntgenaufnahme, Biervergleich und ein mulmiges Gefühl
Starten wir mal von vorn: Es ist Sommer, ein wunderbar warmer Tag und mein Freund und ich haben Karten für einen Open-Air-Konzert der Band Granada. Klingt nach einen perfekten Abend, oder? Naja, vielleicht nicht ganz. Denn irgendwie begleitet mich bei jedem Einatmen ein stechender Schmerz. Trotzdem ist meine Laune gut. Ich bin entspannt und hab Lust zu tanzen, also gehen wir aufs Konzert.
Ein paar Tage später sind die Schmerzen immer noch da. Also doch zum Hausarzt. Die Diagnose: trockene Rippenfellentzündung. Dabei handelt es sich um eine Entzündung der Atemmuskulatur, bei der die Schmerzen Abhängig von der Atmung auftreten.
Klingt erstmal plausibel und tatsächlich: die Schmerzen vergehen. Stattdessen kommt etwas anderes: Atemnot. Ziemlich seltsam finde ich und gehe nochmal Hausarzt. Diesmal wird ein Röntgentermin vereinbart. Und dieser Termin sollte mein Leben ziemlich auf den Kopf stellen.
Die Röntgenaufnahme bringt noch keine endgültige Gewissheit, aber eine erste Diagnose: Pleuraerguss. Das bedeutet, dass sich zwischen Lunge und Burstwand deutlich zu viel Flüssigkeit angesammelt hat. In meinem Fall, wie mein Vadda mit fränkischen Charme bemerkte, etwa eine ganze Flasche Bier. ☻
Und dann ist plötzlich alles anders: Statt beruhigender Worte folgt die Überweisung ins Krankenhaus. Ein Moment, in dem der Boden unter den Füßen kurz nachgibt und ich beginne zu begreifen, dass das hier nicht einfach so vorbeigeht.

Willkommen beim Diagnose-Quartett: Lungenembolie durch Thrombose
Komplett überfordert und ohne Plan versuchte ich meine Koffer zu packen. Währenddessen kam es sogar dazu, dass mein rechtes Bein anschwoll. Mein Freund fuhr mich in die Notaufnahme und dank strenger Coronaauflagen lag ich kurze Zeit später allein da. Nur ich, meine Gedanken und mein piepender Überwachungsmonitor. Ein paar Untersuchungen, ein CT und einige Stunden später, kam die Ärztin zu mir und meinte, dass ich wohl voll ins Schwarze getroffen hätte. Die Diagnosen: ausgedehnte Lungenarterienembolie beidseitig mit Infarktpneumonie und einhergehenden Pleuraerguss und eine tiefe Beckenvenenthrombose rechts. Bäm. Okay. Und jetzt? Und vor allem was hat das alles zu bedeuten?
Bei der Lungenembolie hatte ich wohl Glück im Unglück. Zwar waren beide Lungengefäße durch Blutgerinnsel verstopft , was bedeutet, dass die Lungen deutlich weniger Sauerstoff bekommen haben. Das kann schwerwiegende oder sogar tödliche Folgen haben. Glücklicherweise wurden meine Embolien rechtzeitig entdeckt, sodass es nicht zu einer Rechtsherzbelastung gekommen ist. Mein Überbleibsel aufgrund des Sauerstoffmangels: eine kleine Narbe in der Lunge, die meine Lungenkapazität, zu meiner Freude, jedoch nicht auffallend beeinträchtigt.
Die Infarktpneumonie ist eine spezielle Form der Lungenentzündung und kann als Begleiterscheinung der Lungenembolie auftreten.
Und wie sieht es mit der tiefen Beckenvenenthrombose aus? Die Ärztin erklärte mir, dass sie sich, trotz der Behandlung mit einer hohen Dosis Blutverdünner, nicht aufgelöst hat. Das fühlte sich erstmal wie ein Rückschlag an. Hoffnung auf Besserung hatte ich zwar noch, aber auch die Angst, dass die Krankheit noch lange ein Teil meines Lebens bleiben könnte, ließ mich nicht los. Ich bekam einen Kompressionsstrumpf verordnet, was ich damals noch nicht wusste: er würde von nun an mein ständiger Begleiter sein.

Ankommen im Ernstfall
Mir wurde strikte Bettruhe, eine hohe Dosis Blutverdünner und Antibiotika verordnet. Gegen den Pleuraerguss erhielt ich zusätzlich eine Pleurapunktion. Außerdem folgten weitere Untersuchungen, um der Ursache der Thrombose auf den Grund zu gehen. Ein konkreter Grund wurde zwar nicht gefunden (zum Glück keine Krebsdiagnose) doch es festigte sich der Verdacht, dass mehrere Faktoren zusammengewirkt haben könnten: die hormonelle Verhütung (in meinem Fall der Verhütungsring), gelegentlicher Tabakkonsum (ca. 10 Zigaretten am Wochenende) und die kürzlich erhaltene Corona Booster Impfung.
Die Behandlung im Krankenhaus schlug gut an: Meine Werte besserten sich und auch meine Lungenentzündung ging langsam zurück. Und schließlich begannen sich auch die Blutgerinnsel in den Lungengefäßen aufzulösen. Mein Körper heilte erstaunlich schnell.
Insgesamt war ich eine Woche im Krankenhaus. Zwei Tage vor Ende meiner Entlassung bekam ich täglich Besuch von einer Physiotherapeutin, die mit mir eine Runde um die Station drehen sollte. Eigentlich eine kurze kurze Strecke und doch mussten wir mehrere Pausen einlegen, um kurz zu verschnaufen und meinen Puls zu kontrollieren.
Dann kam das Entlassungsgespräch und wieder die große Frage: Wie soll es jetzt weitergehen. Auf ärztlichen Rat hin bekam ich Blutverdünner verordnet (Eliquis 5mg, zweimal täglich), eine Kompressionstherapie, den Verzicht auf hormonelle Verhütung und mehrere Facharzttermine zur weiteren Abklärung.
Eine Anschlussheilbehandlung, also eine Reha, war vom Krankenhaus nicht vorgesehen. Doch ich merkte schnell: Ich war weder körperlich noch emotional im Reinen mit meinen Krankheitsbild. Im Gegenteil, ich fühlte mich überfordert, orientierungslos und voller Fragen. Deshalb beschloss ich, selbst aktiv zu werden: Zu Hause füllte ich eigenständig den Rehaantrag aus und reichte ihn ein. Ich wollte mehr verstehen, mich mehr begleiten lassen und vor allem wieder den Boden unter den Füßen spüren.

Ein Kapitel endet, das nächste beginnt
Das war mein Weg bis zur Entlassung, ein Abschnitt voller Unsicherheit, Diagnosen und dem Beginn eines neuen Lebensabschnitts. Doch damit endet die Geschichte natürlich nicht. Wie es danach weiterging – mit meinem Rehaantrag, den ersten Schritten der Nachsorge und all den kleinen und großen Erkenntnissen – davon möchte ich einem weiteren Beitrag erzählen.
Denn der weitere Verlauf hat einen langen Abschnitt meines Lebens geprägt. Genau genommen hat es ein Dreiviertel Jahr gedauert, bis ich mich Stück für Stück in ein ’normales Leben‘ zurückgekämpft habe.
Healing is not linear. Aber jeder Schritt zählt.

Warum ich meine Geschichte teile
Vielleicht fragst du dich, warum ich auf meinem Blog über diesen tiefgreifenden Lebensschnitt schreibe. Wie schon in der Einleitung erwähnt, wünsche ich mir, dass gesundheitliche Themen mehr Aufmerksamkeit bekommen. Weil ich mit meiner Geschichte anderen Mut machen will. Und weil Aufklärung so wichtig ist.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie es sich anfühlt, wenn sich das Leben in wenigen Momenten komplett verändert. Wenn plötzlich ein Berg aus Unsicherheit und Fragen vor einem liegt und man einfach nicht weiß, wo man anfangen soll.
Für mich ist das Schreiben auch ein Stück Heilung. Es hilft mir, das Geschehene zu verarbeiten, einzuordnen und ins Gespräch zu kommen. Vielleicht hast du selbst Ähnliches erlebt und möchtest dich austauschen? Dann freue ich mich sehr, wenn du mir schreibst. Denn ich glaube: Wenn wir unsere Gechichten teilen, können wir gemeinsam nach vorne schauen, das Beste aus der Situation machen und Schritt für Schritt heilen.



